Medienspiegel
Süddeutsche Zeitung, 10. Februar 2026, 12:07 Uhr, Quelle: © SZ

Neue Palliativstation in Harlaching
Helligkeit im dunkelsten Moment

Beim Empfang des Fördervereins für die neue Palliativstation wird klar, warum die Räume so hell und wohnlich geworden sind. Schauspieler Friedrich von Thun fasst den Ort in einem Wort zusammen.
Von Nicole Graner
Dieses „Danke“ ist wie ein bunter Blumenstrauß, der glücklich macht. Denn wenn Verena Gräfin von Plettenberg Danke sagt, dann spürt man, dass es nicht leicht dahingesagt ist, sondern aus ganzem Herzen kommt. Voller Freude und Ehrlichkeit. Die Palliativstation in der neuen München Klinik Harlaching, die im Frühsommer eröffnet wird, ist fertig. „Und dass sie so schön geworden ist, verdankt der Förderverein der Palliativstation Harlaching so vielen Menschen“, sagt die 66-Jährige. Und sie schenkt den Gästen, die an diesem Montagabend beim Empfang für die Spender dabei sind und sehen wollen, wie die neuen Räume aussehen, ein umwerfendes Lächeln.
Eine Dreiviertelmillion Euro an Spenden sind zusammengekommen. Die Frau, die seit mehr als 30 Jahren in der Hospizarbeit tätig ist, 28 Jahre ehrenamtlich auf der Palliativstation arbeitet und stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins Palliativstation Harlaching e. V. ist, hat Menschen mobil gemacht. Und sie hat dabei wohl die Gabe, zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein: Beim Fußballschauen in einer Gaststätte trifft sie zufällig den Geschäftsführer von Antenne Bayern. Sie erzählt, schon ein bisschen mutig, wofür sie finanzielle Hilfe benötigt. Und die kommt. Ein anderes Mal überzeugt sie im Wohnzimmer, am Telefon, zwischen Tür und Angel.
Jetzt sehen alle mit Staunen, was der Förderverein mit den Spenden bewirkt hat. Was ihm immer ein Anliegen war: Menschen, die am Ende ihres Lebens stehen, in einer Atmosphäre zu begleiten, die heimelig und schön ist. „Wir wollten immer ein Gefühl von Zuhause in die Räume bringen“, sagt Pilar Prinzessin zu Salm-Horstmar.

Als Innenarchitektin hat sie auf sanfte Grün- und Gelbtöne gesetzt, auf Holzoptik, auf skandinavisches Design. Helle Stühle, helle Lampen. Vorhänge, Stoffe, und die „Wolken-Tapeten“ – alles sei selbst ausgesucht worden. 18 Betten in 18 Zimmern, die eher einem Wohn- als einem Krankenzimmer gleichen. „Die Menschen hier tragen oft eine innere Unruhe in sich“, weiß sie aus Erfahrung. Sie selbst ist Hospizhelferin. Die Menschen hier sollten aufgefangen sein, Ängste verlieren dürfen. Da helfen auch Bilder der Liebsten, die mit einem Beamer an die Deckenwand projiziert werden können. Und die man sieht, wenn man eben im Bett liegen muss.
Auch Schauspieler Friedrich von Thun ist da. Ohne Senta Berger, die noch auf Reha sei und sich von ihrem schweren Sturz Mitte Januar erhole, wie der 83-Jährige sagt. Beide hatten 2023 dem Förderverein eine Lesung geschenkt. Heute liest er nicht, sondern steht in den Räumen und staunt. „So schön ist es hier“, sagt er. „Ja, man muss es den Menschen schön machen, die wissen, dass sie sterben werden“. Das sei eine Frage des Respekts. Niemand wolle doch im Krankenhaus auf dem Gang sterben. Dass es hier jetzt so etwas gäbe, habe etwas „Tröstliches“. Und als er auf der 300 Quadratmeter großen Terrasse steht, die bald eine grüne Oase mit plätscherndem Brunnen sein soll, und in Münchens Nachthimmel blickt, muss ihn das ein wenig an seinen Lieblingsort erinnern: den Englischen Garten. In dem die Welt friedlich sei und schön.
Das Miteinander im Abschiednehmen
In den wohnlichen Räumen lässt es sich auch feiern. Nicht laut, aber fein. Mit Gitarren und Geigenmusik und ja, auch mit Häppchen in der gemütlichen Wohnküche. Warum auch nicht? Denn dort, wo bald sterbenskranke Menschen mit ihren Angehörigen Zeit verbringen oder miteinander essen, wird es in diesen Momenten immer noch um das Leben gehen. Um die Zeit, die einem geschenkt ist. Um das Miteinander im Abschiednehmen. Ein Treffpunkt soll die Wohnküche einmal sein. Das ist sie schon jetzt.
Verena Gräfin von Plettenberg geht durch die Räume, erklärt alles und streicht mit den Fingern über die Bettdecke in einem der Zimmer. Sie freue sich darauf, die Menschen am Ende ihres Lebens zu treffen. „Diese Begegnungen sind ein großer Reichtum für mich“, sagt sie leise. Durch eben jene habe sie gelernt, viel mehr im Jetzt zu leben.
Quelle: © SZ
